Das Fazit zuerst
Barrierefreie Seiten müssen keine zusätzlichen Kosten verursachen, es können eventuell sogar Kosten bei der Produktion gespart werden, und sie erhöhen den Wert einer Website beträchtlich.
Und wenn damit ein paar Menschen weniger diskriminiert werden, so ist das doch ein schöner Nebeneffekt.
100% Barrierefreiheit gibt es nicht
Eine Internetseite wird von den verschiedensten Menschen besucht. Viele von ihnen haben "Einschränkungen", in der Wahrnehmung, im Verständnis oder in der Orientierung. 10% aller männlichen Besucher sind z.B. farbenblind.
Es allen 100% recht zu machen, ist nicht möglich. Wenn ich die eine Gruppe bevorzuge, benachteilige ich vielleicht eine andere. Ziel ist es, so viele Barrieren wie möglich zu beseitigen, um die Seite für jeden ansprechend nutzbar zu machen.
Barrierefreiheit ist vielmehr als ein Prozess anzusehen. In einer anfangs "barrierefreien" Seite können durch Unachtsamkeit in der Pflege wieder Hindernisse aufgebaut werden. Anderseits kann eine Seite, oft durch Rückmeldungen der Benutzer, auch ständig verbessert werden.
Diese Rückmeldungen sind besonders wichtig, denn ich kann eine Seite nach den Regeln des BITV (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung) umsetzen, semantisches und valides HTML verwenden, auf Erfahrung und gesunden Menschenverstand zurückgreifen, aber die Betroffenen wissen natürlich am Besten, wo die Hindernisse liegen.
Nicht jeder ist verpflichtet, barrierefreie Seiten anzubieten
Öffentliche Einrichtungen und Institutionen müssen ihre Webseiten barrierefrei realisieren, Unternehmen und Privatleute können dies tun.
Barrierefreie Seiten bieten aber viele Vorteile. Gerade Erstbesucher, ältere Menschen oder auch Kinder können sich besser orientieren und haben einen leichteren Zugang zu den Inhalten.
Selbst die Suchroboter der Suchmaschinen können die Seiten besser indizieren, was sich positiv auf die Seitenplatzierung auswirkt.
Die Technik alleine macht keine barrierefreie Seiten
Bei der Realisierung von barrierefreien Seiten spielen verschiedene Aspekte eine Rolle.
Konzept, Gestaltung, Redaktion und natürlich die technische Umsetzung. Ist hier ein Bereich nicht barrierefrei, so ist es die ganze Seite nicht.
Neben der technischen Kompetenz verfüge ich zusätzlich über genügend Erfahrung, um dem Konzeptioner, dem Gestalter und dem Redakteur hilfreich schon bei der Planung beiseite zu stehen.
Die technische Basis
Semantisch korrektes HTML ist ein wichtiger Bestandteil der barrierefreien Umsetzung. Inhalte werden alleine schon durch standardisierte HTML-Strukturelemente beschrieben.
Hierzu gehören Überschriften, Aufzählungen, Zitate und natürlich auch Tabellen, um nur ein paar zu nennen.
Für viele ist das schon Barrierefreiheit, aber neben den reinen Strukturelementen gibt es auch noch auszeichnende und beschreibende Elemente und Eigenschaften. Dazu gehören das Kennzeichnen von Abkürzungen, das Beschreiben und Anbieten von alternativen Inhalten oder das Anzeigen eines Sprachwechsels.
Trennung von Layout und Inhalt
Ist Inhalt und Struktur in HTML realisiert, wird nur durch CSS die Seite optisch gestaltet. Werden die Stylesheets in externen Dokumenten gespeichert, lassen sich Änderungen in der Gestaltung schnell realisieren. Für unterschiedliche Browser oder Ausgabegeräte wie Computerbildschirme, Mobil-Telefone, PDAs oder Drucker können dann einfach verschiedene optimierte Stylesheets geladen werden.
Dadurch, dass die HTML-Datei nur noch aus der Auszeichnung und dem Inhalt besteht, ist ein übersichtliches Dokument entstanden, das sich einfach pflegen lässt und dadurch weniger Fehlerquellen bietet.
Kosten
Barrierefrei zu arbeiten zahlt sich aus. Trennen von Layout und Inhalt ermöglicht eine schnellere Entwicklung von HTML-Prototypen, das einfachere Einbinden in ein Content Management System und vereinfacht auch die Pflege und Erstellung von statischen Seiten.
Zudem können durch geschickte Suchmuster große Bereiche schnell geändert oder archiviert werden. Da auch die zu übertragenden Datenmengen dieser Seiten kleiner sind, werden sie schneller geladen und die Kosten für das Hosting senken.
Die Webseite kann nun schnell und flexibel an aktuelle oder zukünftige technische und gesetzliche Anforderungen angepasst werden.
Natürlich ist die Einpflege von barrierefreien Inhalten durch das zusätzliche Beschreiben von Inhalten zeitintensiver, auch die Redakteure müssen kurz geschult werden, aber als Ergebnis werden Webseiten produziert, die verständlich und jedem leicht zugänglich sind.
Werden die Webseiten in einem Inter-, Intra-, oder Extranet nicht nur "betrachtet" sondern als Service-, Arbeits- oder Produktionsmittel genutzt, wird durch Accessibility ("Zugänglichkeit") und Usability ("Benutzbarkeit") eine erhebliche Wertsteigerung erreicht.